In einem Rhythmus von zunächst alle zwei Wochen gibt es Streifzüge durch die Frauengeschichte hier auch im Podcast.

Die Protagonistinnen dieser Geschichten waren Frauen, die Grenzen überschritten, sich Freiräume nahmen und Entscheidungen trafen. Manche davon beeindrucken und begeistern uns, andere verwundern uns, befremden uns vielleicht sogar. Wie würden wir heute entscheiden?

Den Podcast gibt es auf Anchor.fm, Spotify, Overcast, Google Podcasts, Breaker, Radio Public, im RSS-Feed – und hier zum Direkthören.

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Die neueste Folge:

Minna Cauer – Mit Leidenschaft für Frauen, Frieden und Demokratie (ab 30.10.2020)

Minna Cauer war eine der wichtigsten Frauenrechtlerinnen im Kaiserreich. Trotzdem ist seit 95 Jahren kein Buch mehr über sie geschrieben worden – vielleicht, weil sie immer zwischen den Stühlen saß: Den einen zu links, den anderen zu emotional, wieder anderen zu alt. Zeit, einer ganz Großen zu ihrem Geburtstag etwas Aufmerksamkeit zu schenken!

Wie immer freue ich mich über euer Feedback auf Twitter oder Instagram unter @frauenvondamals – oder per Email an rohrpost at biancawalther punkt de!

Verwendete Literatur:
Else Lüders: Minna Cauer. Leben und Werk, Gotha/Stuttgart 1925. (Das Bild zu dieser Folge ist das Frontispiz aus diesem Buch)
Anne-Laure Briatte; Meiken Endruweit (Übers.): Bevormundete Staatsbürgerinnen. Die ‚radikale‘ Frauenbewegung im deutschen Kaiserreich, München 2020.
Bianca Walther: „Diese Zeit findet kein großes Geschlecht, besonders nicht unter den Frauen.“ – Minna Cauer und die bürgerliche Frauenbewegung, 1914-1918. Unveröffentlichte Hausarbeit, Fernuniversität Hagen, 2014.

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Viel Material zu Minna Cauer findet ihr auch auf den Internetseiten des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (https://digitales-deutsches-frauenarchiv.de) und in deren Katalog https://meta-katalog.eu, der auch zahlreiche Digitalisate enthält.

Und hier wie versprochen das Bild, das ich euch ganz am Schluss der Folge versprochen habe: https://search.iisg.amsterdam/Record/593987

Bisherige Folgen:

Die Lieben der Selma Lagerlöf (ab 30.10.2020)
Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940) ist in Deutschland heute hauptsächlich als Autorin des Kinderbuchs „Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen“ bekannt. Sie hatte aber noch deutlich mehr auf dem Kasten: Als erste Frau bekam sie 1909 den Literaturnobelpreis zugesprochen. In Schweden ist sie nach wie vor eine Ikone, zierte jahrzehntelang den 20-Kronen-Schein.

Was allerdings erst 50 Jahre nach ihrem Tod bekannt wurde, war, dass sie neben der Schriftstellerei noch zwei andere große Lieben hatte: ihre Kollegin Sophie Elkan und die Studienrätin Valborg Olander – ihre „Sekretärin“, wie es nach außen hieß. In dieser Folge erzähle ich euch die Geschichte dazu – und habe für euch ein paar Briefauszüge übersetzt.

Verwendete Quellen und Literatur:

Edström, Vivi: Selma Lagerlöf. Livets vågspel, Stockholm 2002.
Frunck, Ingrid: „Minnesteckning över Valborg Olander“, in: Falu folkskoleseminariums kamratförbunds årsskrift, Jg. 1956, S. 9-20.
Königliche Bibliothek, Stockholm: Nachlass Selma Lagerlöf (KB1:L1) und Sophie Elkan (KB1:L84).
Lagerlöf, Selma: Mårbacka. Kindheitserinnerungen, dt. v. Pauline Klaiber-Gottschau, München o. J. [orig.: 1922].
Lagerlöf, Selma: Aus meinen Kindertagen, dt. v. Pauline Klaiber-Gottschau, München 1931 [orig.: 1930].
Lagerlöf, Selma: Tagebuch der Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, dt. v. Pauline Klaiber-Gottschau, München 1934 [orig: 1932].
Lagerlöf, Selma: Du lär mig att bli fri. Selma Lagerlöf skriver till Sophie Elkan, hg. v. Ying Toijer-Nilsson, Stockholm 1992.
Lagerlöf, Selma: En riktig författarhustru. Selma Lagerlöf skriver till Valborg Olander, hg. v. Ying Toijer-Nilsson, Stockholm 2006.
Toijer-Nilsson, Ying: „Den nya vännen“, in: Karl-Erik Lagerlöf (Hg.): Selma Lagerlöf och kärleken, Södertälje 1997, S. 9-15.
Ulvros, Eva Helen: Sophie Elkan. Hennes liv och vänskap med Selma Lagerlöf, Lund 2001.
Wägner, Elin: Selma Lagerlöf I: Från Mårbacka till Jerusalem, Stockholm 1942.
Wägner, Elin: Selma Lagerlöf II: Från Jerusalem till Mårbacka, Stockholm 1943.
Walther, Bianca: Jedes ist ein Eigenes und auf seine Art Einziges. Weibliche Lebensgemeinschaften und Freundinnenkultur im Bürgertum, 1890-1940. Unveröffentlichte Masterarbeit, FernUni Hagen 2014.

Von Olympe bis Helene: Streifzug durch 100 Jahre Frauenbewegung
Nachdem wir uns bisher eher mit Biografien einzelner Frauenrechtlerinnen befasst haben, wagen wir uns ab heute in unregelmäßigen Abständen an einen Überblick über die deutsche Frauenbewegung in Kaiserzeit und Weimarer Republik. Los geht es – wie könnte es anders sein? – mit den Anfängen. Wir marschieren so um die Zeit der Französischen Revolution los und erreichen unser Etappenziel Hamburg im Jahr 1898, gerade pünktlich zu einer denkwürdigen Jahresversammlung des Bunds deutscher Frauenvereine (BDF).

Natürlich können wir nur einen Ausschnitt abbilden. Mehr über das äußerst reiche, komplexe Gebilde, das sich „Frauenbewegung“ nannte, könnt ihr zum Beispiel erfahren, indem ihr das wunderbare Internetportal des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de) durchstöbert – oder aus den folgenden Büchern:

Literatur:
Angelika Schaser: Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933, Darmstadt 2006.
Ute Gerhard: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Reinbek 1990.
Barbara Beuys: Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich München, 2014.
Anne-Laure Briatte-Peters (Autorin); Meiken Endruweit (Übers.): Bevormundete Staatsbürgerinnen: Die »radikale« Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich, München 2020.
Herrad Schenk: Die feministische Herausforderung. 150 Jahre Frauenbewegung in Deutschland, München 1980.
Bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es ferner günstig (sofern noch lieferbar) ein Überblickswerk von Rosemarie Nave-Herz.


Gertrud Bäumer (1873-1954) – Frauenrechtlerin, Politikerin, Multitaskerin
Gertrud Bäumer war eine Frauenrechtlerin, die polarisierte: Die einen fanden sie zu moderat, die anderen bewunderten ihren Pragmatismus. Den einen war sie zu machtbewusst, wieder anderen war sie Vorbild und Inspiration. Ein Jahrzehnt lang stand sie dem Bund deutscher Frauenvereine vor; danach machte sie sich auf den Marsch durch die Institutionen – ohne Landkarte, denn sie war fast überall eine der Ersten. Zeit für Privatleben fand sie trotzdem. Ein Blick in die Geschichte einer Frau, die sich nicht in eine Schublade pressen lässt und für die vielleicht noch nicht einmal eine ganze Kommode ausreicht.

Verwendete Literatur:
Bäumer, Gertrud: Lebensweg durch eine Zeitenwende, Tübingen 1933.
Bäumer, Gertrud: Des Lebens wie der Liebe Band. Briefe (hg. v. Emmy Beckmann), Tübingen 1956.
Göttert, Margit: Macht und Eros. Eine neue Perspektive auf Helene Lange und Gertrud Bäumer, Königstein/Ts. 2000.
Lange, Helene: Lebenserinnerungen, Berlin 1921.
Lange, Helene: Was ich hier geliebt. Briefe (hg. v. Emmy Beckmann), Tübingen 1957.
Schaser, Angelika: Helene Lange und Gertrud Bäumer. Eine politische Lebensgemeinschaft, Köln u.a. 2000.
Velsen, Dorothee von: Im Alter die Fülle, Tübingen 1957.

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Eine afrikanische Frauenrechtlerin: Adelaide Casely-Hayford
Adelaide Casely-Hayford, geboren 1868 in Freetown, lebte unabhängig, bereiste drei Kontinente und reformierte die Mädchenbildung in ihrer Heimat Sierra Leone. Die Geschichte einer Powerfrau, die Chancen ergriff und Konflikte nicht scheute.

Verwendete Literatur:
Adelaide Cromwell:  An African Victorian Feminist. The Life and Times of Adelaide Smith Casely Hayford (1868-1960), Washington D. C.  1992
Keisha Blain: Emerging Feminisms – A Historical Note. Pan-African Feminist Adelaide Casely-Hayford, The Feminist Wire, 28. März 2016, https://thefeministwire.com/2016/03/a-historical-note-pan-african-feminist-adelaide-casely-hayford/
Mary Louise Pratt: Imperial Eyes. Travel Writing and Transculturation. London/New York 1992.

Erwähnte historische Personen:Mary Seacole und Edmonia Lewis

Und die Podcast-und-Sonstiges-Empfehlungen:
Petra Tabarelli und andere: Frauen reden über Fußball
Laura Baumgarten: Frau Abgeordnete
Nora Hespers: Die Anachronistin
Jasmin Lörchner: Herstory Pod

Mary Kingsley: Grenzgängerin zwischen Kulturen und Konventionen
Über eine viktorianische Frau, die nach Afrika reiste, um Neues zu sehen. Mit Krokodilcontent.

Frauenrechtlerin auf Reisen: Die Indienreise der Anna Pappritz (Teil 2)
Teil 2 der Doppelfolge zum Reisetagebuch der Anna Pappritz. Heute: Auszüge aus dem Tagebuch

Frauenrechtlerin auf Reisen: Die Indienreise der Anna Pappritz (Teil 1)
Über einen Überraschungsfund in einem Koblenzer Keller, eine Berliner Frauenrechtlerin und eine Reise nach Südasien.

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Ika Freudenberg: Rheinische Lebensfreude trifft Münchner Frauenbewegung
Wie kam eine Westerwälder Klavierlehrerin dazu, die Münchner Frauenbewegung zu organisieren? Über eine heute vergessene Frau, die mit Humor und Lebensfreude Politik für Frauen aller Schichten machte und viel zu früh starb.

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Charlotte Ritters reale Kolleginnen: Martha Mosse und Friedrike Wieking
In der Fernsehserie ‚Babylon Berlin‘ begegnet uns eine Kriminalassistentin, die offenbar nie einer Kollegin begegnet. 1929 gab es in der ‚Roten Burg‘ am Alex jedoch schon einige Polizistinnen. Zwei davon stelle ich euch heute vor: Polizeirätin Dr. Martha Mosse und Kriminalpolizeirätin Friedrike Wieking.