Folge 12: Monokel-Ball im Monbijou: Streifzug durch das lesbische Berlin der 1920er

Folge 12: Monokel-Ball im Monbijou: Streifzug durch das lesbische Berlin der 1920er

Monokel-Ball im Monbijou: Streifzug durch das lesbische Berlin der 1920er Jahre

Zum Staffelfinale der Frauen von damals gehen wir auf Kneipentour durchs lesbische Berlin der 1920er Jahre. Wir beginnen im Damenklub Violetta, wo Klubpräsidentin Lotte Hahm zum ‚Bunten Abend‘ bittet. Dann blättern wir nach einem erbaulichen Ausflug in die homoerotische Begriffsgeschichte ein wenig in der Freundin und der Frauenliebe – den Zeitschriften, in denen die moderne lesbische Frau allerlei sachdienliche Informationen, aber auch Austausch, Veranstaltungsankündigungen und Perlen sapphischer Dichtkunst fand.

Und zum guten Schluss tanzen wir bei Mondschein auf dem Müggelsee bis zum Morgen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten!

Hintergrund

Diese Folge basiert auf meinen Recherchen in den Zeitschriften lesbischer Vereine im Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Schon im Kaiserreich hatten lesbische Frauen sich in Vereinen – damals meist noch als Kegel- oder Sparvereine getarnt – zusammengefunden, um Gleichgesinnte oder mit etwas Glück gar eine Partnerin zu finden.

In der Weimarer Republik mit ihren neuen, demokratischen Freiheiten, wurden diese Vereine öffentlicher und politischer. Die Damenklubs Violetta und Monbijou gehörten dazu – und jeder dieser Vereine hatte seine eigenen Vereinspublikation. Diese Zeitschriften wurden im ganzen Land vertrieben und konnten auch im Abonnement bezogen werden. Zeitweilig wurde ihr Verkauf unterdrückt, aber auch für diese Perioden fanden die Macherinnen Lösungen.

Diese Zeitschriften waren unfassbar wichtige Foren für den Austausch zwischen lesbischen Frauen im ganzen Land – auch und gerade jenen, die nicht so viel Geld hatten. Es gab Veranstaltungsankündigungen, aber auch Austausche per Leserinnenbriefe und Artikel über lesbische Frauen in anderen Ländern und anderen Jahrhunderten.

Und ganz wichtig: Die Frauen wussten, dass der Feind rechts steht. Lotte Hahm und ihre Mitstreiterinnen waren deshalb nicht bereit, einen Keil in die Community treiben zu lassen. Auch Transsexuelle und Transvestiten, wie sie sich damals selbst nannten (heute würden wir, je nachdem, von genderqueeren, nichtbinären oder trans Personen sprechen) gehörten selbstverständlich dazu!

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Anzeigenseite aus der Freundin vom 16.12.1931
Anzeigenseite aus der „Freundin“ vom 16.12.1931

Verwendete Literatur:
Hacker, Hanna: Frauen und Freundinnen. Studien zur „weiblichen Homosexualität“ am Beispiel Österreich 1870-1938, Weinheim und Basel 1987.
Krafft-Ebing, Richard v.: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie, 2. und 7. Auflage, Stuttgart 1891 und 1892.
Schader, Heike: Virile, Vamps und Wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre, Königstein/Taunus 2004.
… und natürlich die Frauenliebe und die Freundin.

Die Zeitschriften Die Freundin und Frauenliebe (nebst ihren Ersatzpublikationen) sind im Lesbenarchiv Spinnboden in Berlin archiviert, Die Freundin zusätzlich als Microfiche in der Humboldt-Universität Berlin.

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Dieser Podcast ist ein Beitrag zur Blogparade #FemaleHeritage der Monacensia im Hildebrandhaus – so als kleiner preußischer Farbtupfer.