Folge 21/22: Mildred Harnack (1902 – 1943) – Eine Frau im Widerstand. Interview mit Biografin Rebecca Donner

Folge 21/22: Mildred Harnack (1902 – 1943) – Eine Frau im Widerstand. Interview mit Biografin Rebecca Donner

Mildred Harnack war führendes Mitglied des Widerstandsnetzes, das die Gestapo „Rote Kapelle“ nannte. Geboren in Wisconsin, kam sie 1929 mit ihrem Mann Arvid Harnack nach Deutschland. Ihre Urgroßnichte Rebecca Donner zeichnete ihren Weg in den Widerstand in einer Biografie nach. Für die Frauen von damals habe ich mit ihr gesprochen.

Die Folge im englischen Original (Folge 21):
Die Folge mit deutscher Simultanverdolmetschung (Folge 22):

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Mildred Harnack war die einzige Amerikanerin, die als Widerstandskämpferin von den Nazis hingerichtet wurde. Geborene Mildred Fish, hatte sie sich aus prekären Verhältnissen hochgearbeitet und war Literaturwissenschaftlerin geworden. Als sie bereits an der Universität Wisconsin unterrichtete, lernte sie ihren Mann Arvid kennen – einen deutschen Austauschstudenten, der in den USA für seine Doktorarbeit forschte. Die Liebe war – ziemlich – spontan: Nur ein halbes Jahr nach dem Kennenlernen heirateten die beiden; In den 1920er Jahren zogen sie nach Deutschland.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, gingen sie nicht etwa zurück in die freien, demokratischen USA. Sie blieben – um Widerstand zu leisten. Mildred arbeitete am Berliner Städtischen Abendgymnasium für Erwachsene, denn die Uni (an der sie kurzzeitig gelehrt hatte) wollte sie nicht weiterbeschäftigen. Sie nutzte ihre Stelle, um zahlreiche Schüler für den Widerstand rekrutieren.

Außerdem nutzte Mildred Harnack ihre Kontakte zur amerikanischen Botschaft und ihr sauberes Image als lokale Präsidentin des „American Women’s Club“, um Informationen aus Arvids Tätigkeit im Wirtschaftsministerium in die USA weiterzuleiten. Als die Harnacks das Ehepaar Harro und Libertas Schulze-Boysen kennenlernten, wurden die Aktivitäten noch einmal deutlich erweitert. Unter anderem wurde ein Funkkontakt mit Moskau etabliert – der sich für das Netzwerk jedoch als fatal erweisen sollte.

Im September 1942 wurden Mildred und Arvid Harnack, wie so viele Mitglieder der „Roten Kapelle“ – wie die Nazis das Widerstandsnetz nannten – verhaftet. Mildred wurde zunächst zu Zuchthaus verurteilt, das Verfahren jedoch auf Hitlers persönliche Veranlassung neu aufgerollt. Arvids Todesurteil wurde bereits am 22. Dezember 1942 vollstreckt; Mildred wartete derweil noch auf ihre Neuverhandlung, die am 16. Januar 1943 mit dem erwartbaren Todesurteil endete.

Am 16. Februar 1943 wurde Mildred Harnack in der Strafanstalt Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet. Ihre letzte Worte sollen gewesen sein: „Ich habe Deutschland auch so geliebt.“

Mehr über diese faszinierende Frau erzählt ihre Urgroßnichte und Biografin Rebecca Donner im Interview. Es ist etwas länger geworden – so viel gab es über Mildred Harnack und andere Frauen im Widerstand zu besprechen …

Erwähnte Literatur:

Shareen Blair Brysac: Resisting Hitler: Mildred Harnack and the Red Orchestra. New York 2000. (Auf Deutsch erschienen als: Mildred Harnack und die ‚Rote Kapelle‘, übers. v. Klaus Kochmann, Augsburg 2003).
Rebecca Donner: All the Frequent Troubles of Our Days. The True Story of the American Woman at the Heart of the German Resistance to Hitler, New York 2021.
Norman Ohler: Harro und Libertas, Köln 2020.

Memoiren:

Greta Kuckhoff: Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle, Berlin (Ost) 1978.
Maria Gräfin von Maltzan: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht. Erinnerungen, München 1986.
Elfriede Paul: Ein Sprechzimmer der Roten Kapelle, Berlin 1981.

Auch empfehlenswert:

Henning Fischer: Überlebende als Akteurinnen. Die Frauen der Lagergemeinschaften Ravensbrück: Biografische Erfahrung und politisches Handeln, 1945 bis 1989. Konstanz 2018.
Frauke Geyken: Wir standen nicht abseits. Frauen im Widerstand gegen Hitler, München 2014.
Florence Hervé (Hg.): Mit Mut und List. Europäische Frauen im Widerstand gegen Faschismus und Krieg, Köln 2020.
Claudia Koonz: Mothers in the Fatherland: Women, the Family, and Nazi Politics, New York, 1987.

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