Martha Mosse: Berlins erste Polizeirätin

Porträt von Martha Mosse- Quelle: Addf Kassel

Eine Doppelfolge der „Frauen von damals“

Martha Mosse (Teil 1): Die erste Polizeirätin Berlins | 1884-1933
byBianca Walther
Martha Mosse (Teil 1): Die erste Polizeirätin Berlins | 1884-1933
Martha Mosse (Teil 2): Überleben in unmenschlichen Zeiten | 1933-1977

Diese Folge der Frauen von damals war mir lange ein Anliegen: Seit ich vor sechs Jahren meine allererste Podcast-Folge über Martha Mosse und ihre Kollegin Friederike Wieking veröffentlicht hatte, wollte ich über Martha Mosse noch einmal vertieft in einer eigenen Folge sprechen. Und jetzt ist es soweit: In Zusammenarbeit mit Dr. Elisabeth Wagner, Autorin des Buchs Die Mosse-Frauen, ist nun gleich eine Doppelfolge entstanden.

Martha Mosse war Jüdin, sie war die erste Polizeirätin Berlins, sie war Verfolgte des NS-Regimes, Überlebende des Ghettos Theresienstadt, und sie liebte eine Frau: Die Bibliotheksassistentin Erna Stock, mit der sie spätestens seit Ende der 1920er Jahre ihr Leben teilte.

Im ersten Teil der Doppelfolge geht es um die Jahre von 1884 bis 1933. Wir begleiten Martha Mosse von ihren ersten Trippelschritten als Zweijährige auf einem Dampfer nach Japan bis zum Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn im Berliner Polizeipräsidium, wo sie 1926 als erste Frau in den Rang einer höheren Beamtin erhoben wurde. Dort war sie insbesondere für Kinderschutz zuständig, aber es wartete auch eine Aufgabe auf sie, die aus queer-historischer Sicht hochspannend war.

Der zweite Teil setzt im Jahr 1933 ein. Für Martha Mosse begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten die Zeit der Verfolgung. Im Zuge des antisemitischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde sie aus ihrem hart erkämpften Job entfernt. Sie fand Arbeit bei der Jüdischen Gemeinde Berlins – in einer Position, die sie mit unmenschlichen Dilemmata konfrontierte und in der sie eigentlich nichts richtig machen konnte.

1943 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Ursprünglich war Auschwitz vorgesehen gewesen, aber immerhin das blieb ihr aufgrund der Intervention der Diplomatenwitwe und spätere Widerstandskämpferin Hanna Solf erspart. Vor der Deportation nach Theresienstadt konnte jedoch auch sie Martha Mosse nicht retten. 

Martha Mosse überlebte. Und als sie im Juli 1945 krank und geschwächt auf einem holzgefeuerten Laster in das zerstörte Berlin zurückkehrte, fand sie Erna Stock in ihrer gemeinsamen, halb zerstörten aber noch stehenden Wohnung vor.

Warum Martha Mosse aber selbst nach dem Krieg und der überlebten Deportation nicht zur Ruhe kam – auch das erzählen wir euch im Podcast.

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Zum Weiterlesen:

Elisabeth Wagner: Die Mosse-Frauen
Wallstein-Verlag, Göttingen 2024.
438 S., 101 z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8353-5727-3